Die Reaktorkatastrophe von Tschornobyl im Jahr 1986 gilt als eines der prägendsten Ereignisse für das gesellschaftliche Verständnis von Atomkraft und die Anforderungen an den radiologischen Notfallschutz. Anlässlich des 40. Jahrestags der Katastrophe am 26. April 2026 wollte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wissen, wie präsent das Ereignis heute noch im kollektiven Gedächtnis ist und welche Konsequenzen sich für Informationspolitik und Notfallschutzmaßnahmen ergeben.
Die Herausforderung: Die kollektive Erinnerung ist vielschichtig – geprägt durch persönliche Erlebnisse, Medien, politische Entwicklungen und gesellschaftliche Debatten. Um fundierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, benötigte das BfS eine integrierte, wissenschaftliche Analyse, die all diese Ebenen zusammenführt.
Ziel der Studie war es, den Wandel der kollektiven Erinnerung an Tschornobyl systematisch zu analysieren und daraus Schlussfolgerungen über die Wahrnehmung und Gestaltung des radiologischen Notfallschutzes in Deutschland zu ziehen.
Verian entwickelte gemeinsam mit Expert*innen der TU Darmstadt ein interdisziplinäres Forschungsdesign, das qualitative, quantitative und diskursanalytische Methoden verbindet.
Dies umfasst:
Social‑Media‑Analyse: Auswertung von Diskursen in den sozialen Medien anlässlich des 40. Jahrestages des Reaktorunglücks – inklusive diachroner Betrachtung seit 2006.
Auch rund 40 Jahre nach dem Ereignis ist Tschornobyl im kollektiven Gedächtnis präsent und prägt die Wahrnehmung von Strahlung, Risiken und öffentlichem Strahlenschutz in Deutschland – nicht nur bei Zeitzeug*innen, sondern auch bei nachfolgenden Generationen.
Die Studie zeigt, dass historische Ereignisse wie Tschornobyl das heutige Verständnis von Atomkraft und das Vertrauen in den radiologischen Notfallschutz nachhaltig beeinflussen. Erinnerungen an das Ereignis werden über Generationen hinweg weitergegeben und regelmäßig durch Medienberichterstattung, Jahrestage und gesellschaftliche Debatten aktualisiert. Diese Prozesse wirken sich direkt auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Risiken, Zuständigkeiten und Schutzmaßnahmen aus. Die Ergebnisse leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung des radiologischen Notfallschutzes in Deutschland.